Ambivalent wie im alltäglichen Leben – Feuer in der Bibel

Ein Beitrag von Christa Grünenfelder und Ludger Hiepel

„[Name], sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist.“ Mit diesen Worten ruft der anwesende Bischof bei der Firmung den Hl. Geist auf die Firmbewerberinnen und Firmbewerber und erinnert an das Ereignis von Pfingsten. In der Apostelgeschichte lesen wir: „Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt …“ (Apg 2,3-4). Im Bild des Feuers spricht der Autor der Apostelgeschichte von der Stärkung der Urgemeinde nach den erschütternden Passions- und den unglaublichen Ostererfahrungen. Gemeinsam werden sie zu „Feuerzeugen“ für die Sache Jesu. Doch ist das biblische Sprechen von Feuer vielschichtig und begegnet uns in der auch in unserem Alltag erfahrbaren Ambivalenz, denn Feuer kann bekanntlich sowohl wärmen als auch verbrennen. Es erscheint daher sinnvoll, den biblischen Bedeutungen von Feuer nachzugehen und die großen Linien aufzuzeigen.

Der hebräische Begriff für Feuer (ʾēš) kommt im Ersten Testament 380mal vor, der griechische Begriff (pyr) findet sich 73mal in den Schriften des Neuen Testaments, dazu kommt der verwandte Begriff (kạụma), der 15mal belegt ist. Grundsätzlich lassen sich bei der Verwendung: (1) der menschliche und (2) der göttliche Bereich unterscheiden. Zum ersten Bereich gehört der alltägliche Gebrauch des Feuers z.B. bei der Metallverarbeitung, als Herdfeuer und wärmender Ofen aber auch als Mittel der Zerstörung im Krieg. Zudem taucht es als bedrohliche Naturgewalt auf. Im übertragenen Sinne wird es für die Beschreibung zwischenmenschlicher Regungen verwendet, etwa als Bild für Verleumdung, Zank und Wollust. Es ist Ausdruck zorniger und wütender Emotionen sowie im positiven Sinne für das entbrannt Sein für jemanden – sowohl Mitmenschen als auch Jesus – oder etwas. Eine wichtige Rolle spielt das Feuer im Kult, wo göttlicher und menschlicher Bereich in Kontakt treten.

Im zweiten Bereich dient Feuer als Zeichen der himmlischen Sphäre, etwa in alttestamentlichen Theophanien, beim erhöhten Christus oder an Pfingsten. Dabei kann es sowohl die stärkende (Schutz, Wegweisung) als auch die bedrohliche Seite (Machtdemonstration, Gefahr) des Göttlichen in Szene setzen. Sowohl Gerichts- als auch Endzeitvorstellungen verbinden sich mit dem Bild des Feuers, welches als eine reinigende Kraft fungiert, die das Böse vernichtet. In engem Zusammenhang damit steht die Vorstellung einer Feuerhölle als Gegenbild zu der göttlichen Sphäre, nämlich einem Ort der Gottesferne. Vergleichbar ist zudem die Situation der Prüfung im Bild eines Feuerofens.

 

Vorschläge für die praktische Arbeit:
1. Vorschlag: Jesus Sirach 48,1-11
Der Text:

1Da stand ein Prophet auf wie Feuer (pyr), seine Worte waren wie ein brennender Ofen. 2Er entzog ihnen ihren Vorrat an Brot, durch sein Eifern verringerte er ihre Zahl. 3Auf Gottes Wort hin verschloss er den Himmel und dreimal ließ er Feuer (pyr) herniederfallen. 4Wie Ehrfurcht gebietend warst du, Elija, wer dir gleichkommt, kann sich rühmen. 5Einen Verstorbenen hast du vom Tod erweckt, aus der Unterwelt, nach Gottes Willen. 6Könige hast du ins Grab geschickt, Vornehme von ihren Lagern hinweg. 7Am Sinai hast du Strafbefehle vernommen, am Horeb Urteile der Rache. 8Könige hast du gesalbt für die Vergeltung und einen Propheten als deinen Nachfolger. 9Du wurdest im Wirbelsturm (pyr) nach oben entrückt, in Feuermassen (pỵrinos) himmelwärts. 10Von dir sagt die Schrift, du stehst bereit für die Endzeit, um den Zorn zu beschwichtigen, bevor er entbrennt, um den Söhnen das Herz der Väter zuzuwenden und Jakobs Stämme wieder aufzurichten. 11Wohl dem, der dich sieht und stirbt; denn auch er wird leben.“ (EÜ)

Informationen zum Text und Ziel der Textarbeit: Der vorliegende Text aus dem alttestamentlichen Buch Jesus Sirach – deuterokanonisch und im Griechischen überliefert – ist ein im Rahmen der Firmvorbereitung untypischer und (entsprechend der Milieuzugehörigkeit der Sinus-Studie) den Firmbewerbern wahrscheinlich unbekannter Text. Dieser Umstand weckt vielleicht Interesse, da es sich nicht um einen der ‚üblichen Verdächtigen‘ handelt. Der Text gehört zum Lob der Väter und befasst sich mit dem Propheten Elija, über den in der hebräischen Bibel 1 Könige 17-19, 1 Könige 21, und 2 Könige 1-2 berichten. Neben weiteren Bildern wie z.B. der Himmelfahrt in Feuermassen stellt die Aussage „ein Prophet wie Feuer“ (Vers 1) hier den Anknüpfungs- und Verbindungspunkt zum „Feuerzeugen“ dar. Eine Textarbeit kann Elija als beispielhaften „Feuerzeugen“ darstellen, der für seine Sache brannte. Damit wird die Möglichkeit eröffnet, über das eigne Leben zu reflektieren – ein wichtiger Bestandteil in der Vorbereitung auf das Sakrament der Firmung neben der Stärkung (lateinisch firmare) des eigenen Glaubens. Er regt die Fragen an: Für welche Sache will ich brennen? Was will ich mit meinem Leben erreichen? Wo habe ich vielleicht Feuer gefangen? Wo bin ich „Feuerzeug“ und wo eher „Feuerlöscher“?

Die Textarbeit stellt damit das Zeugnis einer besonderen Person (Vgl. S. 12 des Rahmenkonzeptes zur Firmpastoral im Dekanat Hochsauerland Mitte) in den Mittelpunkt und lädt ein, das eigene Leben vor dem Hintergrund des Glaubens zu reflektieren.

Nicht zuletzt bietet der Text auch Möglichkeiten über Glauben und Praxis unserer älteren Schwestern, dem Judentum, ins Gespräch zu kommen. Hier hat Elija eine besondere Bedeutung. So wird beispielsweise beim Sederabend der Pessahfeier, der Erinnerung an die Befreiung der Israeliten aus der Versklavung in Ägypten, ein Platz für Elija eingedeckt und bereitgehalten.

Methode und Durchführung:
Je nach der Zusammensetzung der Gruppe sind verschiedene Zugangsweisen denkbar: So kann in einer kleinen Gruppe nach einer kurzen Zeit der Reflexion im Anschluss an die Vorstellung des biblischen Text ein Gruppengespräch sinnvoll sein. Bei Firmbewerberinnen und Firmbewerbern, die sich untereinander noch nicht gut kennen oder keine homogene Gruppe bilden, sodass ein Gruppengespräch schwierig werden könnte, eignet sich alternativ eine Einzelarbeit mit Hilfe eines Briefes/Fragebogens, der die oben genannten Fragen behandelt und dessen Antworten dann nicht im Plenum vorgestellt werden müssen. Katechetinnen und Katecheten, die mit Bibliodrama und Bibliolog vertraut sind, können den Text auch auf diese Weise bearbeiten. Zurzeit werben Volksbank Raiffeisenbanken mit dem Slogan „Jeder braucht etwas, was ihn antreibt“ (http://www.was-uns-antreibt.de/). Ein Videoclip/Plakat dieser Reihe kann einen zusätzlich Impuls zum Thema geben, wenn das „Brennen für etwas“ synonym als treibende Kraft verstanden wird.

 

2. Vorschlag: Lukas 24,13-33
Der Text:
Nach den erschütternden Passionserlebnissen und den Erfahrungen des leeren Grabes am dritten Tag, machen sich zwei Jünger auf den Weg in das Dorf Emmaus, das 60 Stadien von Jerusalem entfern liegt. Auf dem Weg erscheint ihnen Jesus, den sie aber nicht erkennen und für einen Fremden halten. Er geht mit ihnen und auf dem Weg erzählen die beiden Jünger von ihren Sorgen, ihrer Traurigkeit, den Hoffnungen, die sie in Jesus hatten und die nach seiner Hinrichtung unbegründet erscheinen, und den Ereignissen des Morgen – das leere Grab. Jesus legt ihnen auf dem weiteren Weg die Schrift aus und erklärt, dass dies alles geschehen musste, damit sich die Prophezeiungen der Schrift erfüllen. (Zusammenfassung 13-27)

28So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen, 29aber sie drängten ihn und sagten: Bleib doch bei uns; denn es wird bald Abend, der Tag hat sich schon geneigt. Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben. 30Und als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach das Brot und gab es ihnen. 31Da gingen ihnen die Augen auf und sie erkannten ihn; dann sahen sie ihn nicht mehr. 32Und sie sagten zueinander: Brannte (kịō – Verb zu kạụma) uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss?“ (EÜ)

Informationen zum Text und Ziel der Textarbeit: „Brannte uns nicht das Herz in der Brust“ – im griechischen Text des Lukasevangeliums steht an dieser Stelle das gleiche Wort, das auch im Zusammenhang mit dem Brennen von Feuer verwendet wird. Es beschreibt hier ein Gefühl der Jünger, der ersten „Feuerzeugen“. Mit dem vorliegenden Text lassen sich verschieden Aspekte des „Feuerzeuge-Seins“ entfalten. Das ist u.a. das sich auf den Weg machen; das gemeinsame Gespräch über den Glauben. Im Text wird zudem die Unverfügbarkeit des Brennens für Gott deutlich, das auch dort geschehen kann, wo man sich dessen im Moment selber nicht bewusst ist. Anhand des Textes lässt sich ferner das Thema Sehnsucht und enttäuschte Hoffnungen behandeln. Die biographischen Ansätze werden in der Firmvorbereitung immer wichtiger, sodass – vor allem zu Beginn des gemeinsamen Weges der Firmvorbereitung – eine Reflexion auf das eigene Leben sinnvoll erscheint. Rückblickend auf das Leben lassen sich folgende Fragen formulieren: Gab es Zeiten in meinem bisherigen Leben wo mir Gott nahe war – mir das Herz brannte? Wo erschien mir Gott vielleicht fern? Wo erlebte ich Enttäuschungen? Wo sind Träume geplatzt? Was sind meine jetzigen Träume? Wohin soll mein Lebensweg gehen? Was will ich mit meinem Leben? Wo brenne ich für etwas?

Diese Textarbeit (sowie auch der erste Vorschlag) kann damit entsprechend des Rahmenkonzeptes der Firmvorbereitung im Dekanat Hochsauerland Mitte bei der „Deutung des Lebens im Glauben“ helfen, setzt einen Prozess der Kontextualisierung der Firmbewerberinnen und Firmbewerber in Gang und bringt „ihre Themen, ihre Fragen vor dem Hintergrund des Glaubens ins Gespräch“ (S.12).

Methode und Durchführung:
In der Praxis hat sich für die Bearbeitung der oben genannten Fragen das Legen von Lebenswegen bewährt. Die Firmbewerberinnen und Firmbewerber bekommen verschiedene Materialien (Schnüre, Bauklötze, Perlen, Steine, Tücher, Federn usw. Papier und Stift) mit denen sie auf einer Fläche (z.B. 50 x 50 cm) ihren Lebensweg legen sollen. Nachdem die Firmbewerberinnen und Firmbewerber ihre Lebenswege fertiggestellt haben (nach ca. 30 Minuten), empfiehlt sich das gegenseitige Vorstellen der Lebenswege, wobei die obigen Fragen berücksichtigt werden sollen.

 

Weitere Textvorschläge für die praktische Arbeit:

  • Exodus 3,1-14c – Berufung des Mose am brennenden Dornbusch
  • Exodus 13,17-22 – Israels Zug zum Schilfmeer – Wolken- und Feuersäule
  • 1 Petrus 1,3-12 – Im Feuer geprüfter Glaube

 

Verwendete und weitere Literatur:

  • Albertz, R.: Elia. Ein feuriger Kämpfer für Gott (= Biblische Gestalten 13), Leipzig 2006.
  • Bergmann, J. / Krecher, J. / Hamp, V.: Art. אֵשׁ. In: ThWAT I, Sp. 452-463.
  • Bietenhard, H.: Art. πῦρ. In: ThBLNT, S.465-469.
  • Frenschkowski, M.: Art. kạụma. In: ThBLNT, S.463-465.
  • Lang, F.: Art. πῦρ. In: ThWNT IV, S. 927-948.
  • Otto, S.: Elia (AT). In: Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet (www.wibilex.de), 2009 (Zugriffsdatum: 1.3.2013)
  • Rapp, U. / Sutter Rehmann, L.: Feuerglanz und Licht – Roter Faden durch die Bibel. In: Dein Wort Mein Weg. Zeitschrift für Bibel im Alltag 03-01 (2012), S. 32-34.
  • Katholisches Bibelwerk [Hrsg.]: Elija – ein Prophet wie Feuer. In: BiKi 4 (2011)

Autorin und Autor:

Christa Grünenfelder (*1984), M.A. ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Seminar für Zeit- und Religionsgeschichte des Neuen Testaments der Katholisch-theologischen Fakultät der Westfälischen-Wilhelms Universität, Münster.

Ludger Hiepel (*1985), Dipl.-Theol. ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Exegese des Alten Testaments der Katholisch-theologischen Fakultät der Westfälischen-Wilhelms Universität, Münster.

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